Presse / Thomas Honecker Quartett

Thomas Honecker Quartett
Entflammte Freiräume

Das Thomas Honecker Quartett lässt im Hofheimer Jazzkeller aber nichts anbrennen (Stefan Michalzik in der Frankfurter Rundschau, 16.3.05)

„Ein Haufen von Individualisten – doch sie ziehen an einem Strang: In seiner Vielgestaltigkeit homogen und unverschämt drall wirkt das klangliche Erscheinungsbild des Quartetts um den in der Nähe von Darmstadt lebenden Gitarristen Thomas Honecker. Die hoch entwickelte Spielkultur leitet sich von der freien Improvisation her. Sie vermischt sich auf eine einnehmend unprätentiöse Weise mit einem Dezent funknah groovenden Rhythmus. Die Zutaten gehen auf die siebziger Jahre zurück, doch mit einem Traditionalismus im engeren Sinne hat dieser Bezug auf die Vergangenheit nichts zu tun. Hier wird einfach aus ergiebigen Quellen geschöpft – zum Gewinn vitaler Triebkräfte für ein musikalisches Heute.
Einspielstücke braucht das Thomas-Honecker-Quartett, das im Hofheimer Jazzkeller aufgetreten ist, nicht: Es ist von der ersten Sekunde seines Auftritts an präsent. Die Gruppe entwickelt ihren Ensemblegeist auf einer dominant rhythmisch strukturierten Basis. Die Kompositionen, die alle auf den Posaunisten Christof Thewes zurückgehen, bieten einen Rahmen, geben Strukturen vor, lassen den Musikern gleichwohl beträchtliche Freiräume. Da es sich durchweg um gestandene Musikkämpen handelt, lassen sie denn auch nichts anbrennen.
Thomas Honecker und Christof Thewes stehen in einer intensiven dialogischen Beziehung, spielen sich gegenseitig die Bälle zu, regen einander an und reiben sich bisweilen freundschaftlich aneinander. Thewes ist in diesem Solistentandem der umtriebigere, der kapriziösere Charakter. Thomas Honecker trägt nicht weniger zur Spannung bei, doch entwickeln sich bei ihm auch die rasanten Läufe und Akkordwechsel noch aus einer im Grunde ruhigen Spielhaltung heraus.
Die beiden Rhythmiker schaffen einen idealen Bezugsrahmen für die Solisten und sie sind zugleich mit präend für das Kollektiv. Bassist Udo Brenner bringt mit seinen weichen Linien eine warme, lyrische Note ein. Der famose Bülent Ates am Schlagzeug sorgt für enormen Druck. Zugleich ist sein Spiel auf eine beinah melodische Weise nuanciert. Eine Speerspitze innovatorischer Bestrebungen mag das Thomas-Honecker-Quartett nicht verkörpern. Doch wird hier auf eine entflammte Weise musiziert. Das ist nicht wenig.“